mit Hüs Sevim

Seit dem Wochenende ist es offical! Die Germania Eberstadt ist Meister der Kreisliga A. Zusammen mit unserem ehemaligen Trainer Hüs Sevim, der bei der Germania stets tolle Resultate erzielt hat, blicken wir zurück auf die Saison.

Es war ja schon unser Ziel oben mitzuspielen, aber betrachtet man die Konkurrenz mit Erzhausen, Modau, St Stephan, Schneppenhausen  – und auch danach kommt nicht gerade Fallobst – wie sehr hast du daran geglaubt, dass es dieses Jahr wirklich machbar ist – gerade weil die Mannschaft noch so jung ist?

Hüs Sevim: Natürlich hatten wir enormen Respekt vor den oben genannten Gegnern. Man sollte auch nicht Germania Pfungstadt vergessen, mir war gleich zu Beginn klar, dass man mit ihnen rechnen muss. Nichtsdestotrotz konnte ich relativ schnell erkennen, dass wir den positiven Verlauf aus der Vorsaison mitnehmen konnten. Gerade weil die Mannschaft so jung ist, hatten wir viel Spaß am Fußball, Training und Spiel. Dazu sind wir mit viel Selbstbewusstsein aufgetreten.

Die jungen Spieler kamen aus erfolgreichen A-jgd. Zeiten und einige davon haben sich früh als Leistungsträger etabliert

Unsere Erfahrenen wurden schon mit 24 Jahren zu Führungsspielern. Allein unser Kapitän Bilal war der, der den Stempel Ü30 in seinem Pass hatte und die Truppe auf dem Platz zusammenhielt. Man hatte das Gefühl, dass Bilal ebenso viele Kilometer lief wie seine jungen Mitspieler – vor allem wenn es mit dem Ball nach vorne ging.

Die Mannschaft hat in der Saison früh gelernt, dass kleine Fehler bestraft werden. Gegen Schneppenhausen hagelte es 4 Tore in einer HZ – entstanden durch individuelle Fehler. Die starke Offensive von Schneppenhausen hat uns knallhart bestraft. Wir kamen zwar noch auf 3:4 dran, allerdings sollte es uns bis dato die erste und einzige Niederlage sein.

Danach wussten wir, dass wir jedes Spiel zu 100% annehmen und konzentriert durchspielen müssen.

 

In der Vorbereitung gab es viele Siege und achtbare Spiele gegen höherklassige Mannschaften. Lediglich gegen Ligahöheren Traisa sah es einmal übel aus. Wie zufrieden warst du mit der Vorbereitung?

Im Sommer war ich sehr zufrieden, die Trainingsbeteiligung war enorm. Allerdings war es schwierig, da viele Spieler aufgrund von Studium, Urlaub oder Verletzung nicht zur Verfügung standen. Trotzdem sind wir relativ gut aus der Vorbereitung gekommen.

 

Der Kader wurde im Vergleich zur letzten Saison noch einmal deutlich verstärkt. Ist das der Hauptgrund für den 1. Tabellenplatz oder was waren aus deiner Sicht die Eckpfeiler für den Aufstieg?

So viele Neuzugänge hatten wir gar nicht. Rouven Kornmann kam als Back-up-Spieler, (ein wichtiger Neuzugang, wie man später feststellen sollte). Stephan Pfeiffer war ein halbes Jahr verletzt und wurde erst zur Saison 2019/2020 fit. Aus der A-Jgd kamen Ben, Simon, Philipp und Kai. Das wichtigste war, dass diese Spieler keine Doppeltbelastung mehr hatten und die erfahrenen Spieler sich auf diese so junge Mannschaft perfekt einlassen konnte.

 

Gleich zu Beginn gab es viele überzeugende Siege mit nur wenigen Wackeln, sodass nach 4 Spielen direkt 4 Siege zu Buche standen. Anschließend folgte ein Spiel, was wir vermutlich alle in 10 Jahren nicht vergessen werden: Das bereits angesprochene Spiel gegen Schneppenhausen knallte uns 4 Buden zur Halbzeit rein, am Ende kamen wir noch 3:4 dran. Was hast du den Jungs in der Halbzeit gesagt? War dieses „nochmal rankommen“ für den weiteren Saisonverlauf vielleicht noch einmal wichtig?

Das ist lange her. Ob es etwas lauter wurde, weiß ich gar nicht mehr, aber ich glaube ich habe an Ihr Ziel appelliert und auf ihre Fehler hingewiesen und am Ende natürlich rauszugehen und unserem Gegner zu zeigen, dass man nicht so leicht hier Punkte holt. Letztendlich hat Schneppenhausen uns geschlagen, allerdings haben wir sie und alle Zuschauer an diesem Tag zum Schwitzen gebracht, das war eine Niederlage aus dem die meisten gelernt haben.

 

Besonders beeindruckend war die Mannschaftsleistung in Erzhausen. Die Abwehr war überragend, vorne hätten 10 Tore fallen können. Was war für dich als Coach das beste Spiel der Saison und warum?

Das Spiel in Erzhausen hat mich an die Grenzen der Verzweiflung gebracht. Das Ding wollte einfach nicht so oft rein. Das beste Spiel der Saison … –  lass mich eine Top 3 auswählen:

  1. Gg. SV Weiterstadt – Beeindruckendes Ende
  2. St Stephan – Umkämpftes Spiel
  3. Vikt. Griesheim – Taktisch clever gewonnen

 

Welcher Spieler hat dich in dieser Saison am meisten überrascht? Wer hat im Vergleich zur letzten Saison noch einmal einen Sprung gemacht?

Überraschungen gab es nicht viele. Ich kenne die Spieler und wusste was sie können.

Allerdings muss ich sagen, dass mich Carlo Staudt nicht nur überrascht, sondern auch sehr überzeugt hat. Carlo hat sich den Platz auf der Sechs neben Kapitän Bilal erkämpft, mit seiner Lauffreude, seiner Zweikampfstärke und seinen langen Beinen war er kaum noch wegzudenken.

 

Besonders im Sturm war/Ist die Konkurrenzsituation brutal. Wie schwierig ist es da für dich mal einen Spieler draußen zu lassen?

Die Offensive war wirklich sehr umkämpft, was natürlich auch ein Erfolgsrezept sein kann, soviel gesunden Konkurrenzkampf zu haben. Zwischen Stefan und Philipp war es sehr schwierig zu entscheiden, beide hatten Ihre Vorteile und waren ziemlich angefressen, wenn sie wenig bis gar nicht spielten. Am Anfang war es eher Philipp der sich durchsetzt hat. Stefan hat nie lockergelassen und sich im Laufe der Saison den Platz geschnappt. Natürlich fällt es mir als Trainer schwer, Spieler draußen zu lassen, aber das ist mein Job und da muss man einfach drüberstehen und den Spielern natürlich auch erklären wieso, weshalb, warum.

 

Im Oktober 2019 standen 4 wegweisende und schwierige Partien auf dem Programm. Wir schlugen Ger. Pfungstadt zu Hause, siegten deutlich bei Viktoria Griesheim II und teilten uns einen Punkt mit der SG Modau. Anschließend ging es zum vermeintlichen Meisterfavoriten SV St Stephan. In der ersten Halbzeit verpasste SV Stephan mehrfach die Führung. Am Ende zeigten wir, dass wir nicht nur Offensivfußball spielen können, sondern auch im Konterfußball nicht so schlecht sind. Welche Erinnerungen hast du an dieses besondere Spiel?

Das war das beste Spiel unseres Torwarts Nick Wüst, der uns mit seinen Paraden ziemlich eindeutig die 3 Punkte gerettet hat. St Stephan hat vor heimischer Kulisse gespielt mit vielen Zuschauern, aber auch Eberstadt hat seine treusten Anhänger dabeigehabt. Wir spielten auf Rasen, was für uns zwar ungewohnt war, aber wir relativ gut meisterten. St Stephan hat bis dahin – laut ihres Trainers – das beste Spiel der Saison gemacht. Wir hingegen versuchten Nadelstiche zu setzen, immer mit der Gefahr im Gegenzug direkt ein Tor zu kassieren, da die schnellen und robusten Stürmer uns alles abverlangten. Unsere Abwehr konnte sich immer wieder im letzten Moment dazwischenwerfen. Zur Halbzeit brachte der eingewechselte Rouven nochmal viel Ruhe rein und konnte das Spiel sehr schnell an sich reißen. Am Ende hat mich der Elfmeter von Marvin etwas beruhigt, aber es war eine Anspannung wie in einem Pokalspiel.

 

Pokalspiel bei der TG Bessungen … Wir haben ja alle überhaupt keine Erinnerungen mehr an dieses Spiel, daher kann ich zum Spiel gar nix fragen. Aber welche 5 Schützen würdest du für ein Elfmeterschießen festlegen?

  1. Ganz klar Marvin Mangold unser sicherster Schütze
  2. Simon Perschke – selbstbewusst genug
  3. Pascal  Sander – kann alles um sich herum ausblenden
  4. Marc Ganschinietz – sehr treffsicher
  5. Stephan Pfeiffer – relativ Kaltschnäuzig

 

Welcher Spieler hat im Training am besten mitgezogen?

Alle Spieler waren immer im Training und haben jedes Training mitgezogen. Es gibt viele, die ich hier nennen kann, aber wenn ich wirklich einen nennen muss:

Vorbildlich war für mich immer Ben J. Ottenbacher.

 

Welcher Spieler ist der eitelste in der Kabine?

Stefan Pfeiffer

 

Vorne schossen Marvin, Simon, Stefan und Philipp Tore am Fließband und waren stets präsenter in den Medien als die starke Abwehr und das wichtige Mittelfeld. Welcher Spieler fällt dir spontan ein, ohne den speziell diese Offensivausbeute nicht möglich gewesen wäre?

Marc Ganschinietz hat enorm viele Tore vorbereitet und hat immer den besser postierten Spieler gesehen. Gefühlt war Marc an 50-60% aller Tore beteiligt.

Du hast nicht nur stets auf junge Spieler gesetzt, sondern diese teilweise auch auf wichtigen Schlüsselpositionen (Ben Ottenbacher hat als A-Jugendlicher schon in der IV gespielt – oder auch mal Carlo Staudt und Kai Velhagen ins zentrale Mittelfeld gestellt). Die Jungs haben eine überragende Runde gespielt. Hattest du trotzdem nie Bedenken, dass die Umstellung von A-Jugend zu Herren eine andere Hausnummer noch einmal ist?

Nein, ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich als Trainer nicht nur auf die erfahrenen verlassen sollte, eine gesunde Mischung ist wichtig. Die Spieler haben gepasst: die Qualität, die Stimmung, die mannschaftliche Geschlossenheit. Die Spieler haben auch kein Problem gehabt sich untereinander zu kritisieren auf positive Art und Weise. Es gibt nichts Besseres für einen Jungen Spieler außer zu Spielen, Spielen, Spielen. Das konnte ich ihnen anbieten und sie haben es angenommen.

 

Deinen Nachfolger Rouven hat du selbst mit zum SVE gebracht. In 10 Partien konnte der „alte Rouven“ allen noch einmal zeigen, dass er noch zu den besten gehört. Welche besondere Qualität hat er in die Mannschaft gebracht?

Rouven kann das Spiel extrem beruhigen, Spieler koordinieren und das Spiel gut lesen. Er ist clever und erfahren und findet die richtigen Worte auf dem Platz und ganz sicher auch in Zukunft neben dem Platz.

 

Was war dein schönster Moment in dieser Saison?

Sportlich das Spiel gegen St. Stephan und die Info, dass fast alle Spieler die nächste Saison weiterhin in Eberstadt bleiben.

 

Was wirst du am meisten vermissen beim SVE?

Alles! Eberstadt hat mir den Spaß am Fußball wiedergegeben, ich habe mich bewusst für eine A-Jgd entschieden und wollte keine Herren-Mannschaft mehr trainieren, das Konzept und die Idee von Günter und Thomas gefielen mir damals.

Nach erfolgreichen 6 Monaten mit der A-Jgd., hatte ich auch mit der Übernahme der 1. Mannschaft in einer schwierigen Zeit auf den 15. Tabellenplatz keine Probleme mehr, denn ich wusste, dass wir mehr sind als nur Platz 15. Nach einer langen Siegesserie beendeten wir die Saison mit der 1. Mannschaft auf dem 6. Platz und wurden mit der A-Jgd. Meister und Pokalsieger.

 

Dein Kapitän Bilal sieht seine Zukunft auch im Trainer-Job. Was sind seine Stärken?

Bilal ist ein Super-Mensch. Die Zusammenarbeit insbesondere mit ihm werde ich sehr vermissen. Er ist ein guter Fußballer, Zuhörer, Beobachter – ein Leader eben. Er hat für seine Mannschaft alles getan, auch versucht mit kaputtem Knie oder gebrochenem Fußzeh zu spielen. Er ist sehr organisiert und gibt immer 100%. Auch als Trainer hat er mir oft helfen können und bewiesen, dass er bereit ist eine Herren-Mannschaft zu trainieren.

 

Wie bist du eigentlich zur Germania gekommen? Immerhin hast du vorher ziemlich erfolgreich im Herrenbereich dir einen Namen gemacht. Warum dann A-Jugend?

Wie schon gesagt, ich hatte keine großartige Lust mehr auf Aktive-Mannschaften, wollte eigentlich eine Pause einlegen und habe mir ein paar Angebote trotzdem angehört. Ich hatte dann doch das Gefühl, dass ich etwas Neues brauchte. Einfach aufhören wollte ich dann doch nicht und da rief Günter an. Ich merkte sehr schnell, dass mir das Konzept gefiel. Ich machte mir ein Bild der Mannschaft und Günter und Thomas hatten nicht zu viel versprochen. Ich bekam alle Freiheiten, die volle Rückendeckung der Jugendleitung und des Fördervereins und eine Mannschaft mit lauter jungen, talentierten Spielern.

 

Egal wo du als Trainer aktiv warst, du bist immer mehrmals aufgestiegen. Könntest du es auch mental durchstehen einen Abstiegskandidaten zu coachen?

Nach unserem Aufstieg mit Traisa in die A-Liga haben wir in der Folgesaison viele Spiele als Neuling nur knapp verloren und waren voll im Abstiegskampf, haben es letztendlich in letzter Minute geschafft in der Liga zu bleiben.

 

Zugegeben schwierige Frage: Mal angenommen wir hätten uns in den letzten Spielen die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen. Wer wäre nach deiner Einschätzung auf dem 2. Platz gelandet und verpasste die Chance Relegation zu spielen?

Die Kreisliga A hat viele gute Mannschaft: Erzhausen, Schneppenhausen, St Stephan … Aber ich denke die SG Modau hat sehr gut gearbeitet und sich stetig verbessert. Deshalb denke ich, dass bei Fortsetzung der Saison Modau sich knapp durchgesetzt hätte.

 

Hüs Sevim wünscht dem neuen Trainer Rouven und seiner Mannschaft alles Gute für die Kreisoberliga und bedankt sich beim Vorstand, Jugendleitung und Förderverein für die Zusammenarbeit, insbesondere Kevin Meininger und Bilal Dag für die großartige Unterstützung während der Saison und wünscht allen Eberstädtern viel Gesundheit und Erfolg!

Vielen Dank an den Meister-Coach Hüs Sevim!